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Kurier

Hrachowina geht nach Niederösterreich

Übersiedelung. Von Wien nach Wiener Neustadt - neue Produktionsstätte und Technologiesprung

Nach 110 Jahren in Wien übersiedelte die Holzfenster-Produktion von Hrachowina von Kagran nach Wiener Neustadt. Die ersten Fenster aus dem dortigen Produktions-Joint Venture mit Weinzetl, einem ebenfalls mittelständischen Familienunternehmen, wurden soeben ausgeliefert. Die hochautomatisierte Produktion soll Qualität und Wirtschaftlichkeit sichern. Österreich als Standort, genauer: Ostösterreich, war im gesamten Übersiedelungs- und Standortwahlprozess eine Grundvoraussetzung.

Roboter als Chance
In die gemeinsame Produktion mit neuer Halle und hochmodernen Maschinen investierte Hrachowina 2,8 Millionen Euro. Peter Frei, Geschäftsleitung Hrachowina, erklärt: "Wir haben uns den Produktionsprozess sehr genau angesehen, das Modernste aufgestellt, das es gibt und gleichzeitig die gesamte Produktpalette optimiert." Die Übersiedlung ist im Großen und Ganzen vollzogen, bis Jahresmitte wird sie völlig abgeschlossen sein. Die alteingesessene Produktion in Wien Kagran wird dann komplett stillgelegt sein. "Es wurde dort zu eng. Das Gebiet, auf dem wir 110 Jahre produziert haben, entwickelt sich mehr und mehr zu einem Wohngebiet. Da ist für eine Produktion kein Platz mehr", erklärt Peter Frei. Die Entscheidung für die kollaborative Produktion mit Weinzetl fiel bereits 2016. Hrachowina und Weinzetl stehen jetzt in Produktionsgemeinschaft. Dafür sprachen die optimale, gemeinsame Auslastung der Anlagen, der größere Investitionsspielraum sowie Synergien in der Standort-Administration. Und, wie Peter Hrachowina, Inhaber in dritter Generation, betont: "Ausschlaggebend für unsere Zusammenarbeit war, dass wir nicht nur beim hohen Qualitätsbewusstsein und der Holzexpertise zusammenpassen, sondern auch, dass die Chemie stimmt -während wir uns am Markt nicht in die Quere kommen." Die Firmen nutzen unterschiedliche Vertriebswege, um jeweils andere Kundengruppen zu beliefern. Abseits der gemeinsamen Nutzung der Produktion bleiben die Unternehmen völlig eigenständig.

KURIER: Warum sind Sie mit Ihrer Produktion in Österreich geblieben, und warum gerade nach Niederösterreich gegangen?
Peter Frei: Die Firma Hrachowina ist eine alteingesessene österreichische Familie, der Großvater hat vor 110 Jahren an der alten Donau in Wien das Zimmermannsunternehmen gegründet. Er hat damals den Dachstuhl des Stephansdoms gemacht. Für uns kam es nie in Frage, woanders hinzugehen.

Auch wenn der Standort Österreich oft mit hohen Kosten verbunden wird.
Das fällt immer weniger ins Gewicht. Seit wir mehr in die Technologie investieren, sind wir weniger auf die Mitarbeiter angewiesen. Ich habe das Gefühl, die Industrie kommt dadurch ein bisschen nach Österreich zurück. Und die wenigen hochwertige Mitarbeiter findet man am besten in Österreich. Ein Verkaufsargument ist es obendrein: die Kunden wollen "made in Austria". 100 Prozent der Wertschöpfung sind im Land.

Also mehr Roboter, weniger Mitarbeiter.
Ja, wir haben in Maschinen und in Roboter investiert. Der Technologiesprung verbessert Produktionsgenauigkeit, Flexibilität und die Lieferzeiten. Und die Technologie stellt auch sicher, dass wir uns Österreich weiter leisten können.

Österreich ist Ihr wichtigster Absatzmarkt?
Ja, zu 90 Prozent. Und der Rest geht in die Nachbarländer Deutschland, Italien, Schweiz.

Sind mit dem Umzug viele Mitarbeiter verloren gegangen?
Wir müssen eingestehen:Durch den Umzug ist uns ein bisschen Hrachowina-Spirit verloren gegangen. Wir hatten viele langjährige Mitarbeiter, die die 63 Kilometer nach Wiener Neustadt nicht gehen wollten. Nur zehn Prozent der Mitarbeiter ist mitgegangen - uns tut es um jeden verlorenen Mitarbeiter Leid. Die Reduktion kommt aber gelegen: weil wir so stark in die Technologie investiert haben, brauchen wir insgesamt weniger Leute - etwa 50 Personen in der Produktion, in der Saison
vielleicht 60 bis 70.

Fenster sind ein Saisongeschäft?
Ja. Sie beginnt im Mai und geht bis Weihnachten - spätestens dann wollen alle die Fenster drin haben.

Wieso haben Sie sich für ein Joint Venture mit einem zweiten Familienbetrieb entschieden?
Bei unserer Suche ist Wien als Standort schnell ausgeschieden. Weil die Kosten sehr hoch sind und es schwierig ist, Mitarbeiter zu finden - es gibt einfach zu viele Alternativjobs für Handwerker. Mit Weinzetl konnten wir gemeinsam viel in den Maschinenpark investieren. Wiener Neustadt, das südliche Einzugsgebiet, ist bei der Mitarbeitersuche ein Vorteil.

Welchen Umsatz streben Sie für 2018 an?
Elf Millionen Euro sind unser Ziel. Das sollte gut gehen, weil wir auch sehen, dass die Konjunktur anspringt.

- SANDRA BAIERL

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