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Die Presse

Mitarbeiter täglich herausfordern

Porträt. Seit 2012 leitet Peter Frei die Geschäfte beim Fenster-und Türenhersteller Hrachowina. Familienunternehmen entscheiden "direkter, menschlicher", sagt er.

Diese Leidenschaft ist eher die Ausnahme: Ein Unternehmensleiter, der sich begeistert der Personalverrechnung widmet und selbst die Details durchblickt. Peter Frei ist so eine Ausnahme. Seit 2012 leitet er die Geschäfte beim Fenster- und Türenhersteller Hrachowina.

Sich mit der Verrechnung auszukennen, sagt der 47-Jährige, sei "ein Gewinn für beide Seiten". Er verhandle die Verträge hart, "aber sie werden anders gelebt", sagt er. Menschlich, meint er damit. Denn "man begegnet sich immer mehrmals im Leben". Es zahle sich also aus, einander respektvoll zu begegnen. Hart zu verhandeln sieht er als seine Aufgabe als Geschäftsleiter, der selbst nicht zur Familie gehört, da "spüre ich die Verantwortung gegenüber dem Eigentümer wie gegenüber den Mitarbeitern". Umgekehrt, sagt er, würden in einem Familienunternehmen Entscheidungen anders getroffen: "direkter, menschlicher und nicht nur mit dem Blick auf das nächste Quartalsergebnis". Dafür würden Seniorchef Peter Hrachowina (78), der nach wie vor jeden Tag im Unternehmen sei, und dessen Sohn Alexander (44), der das Controlling leitet, sorgen.

Entstanden war Hrachowina aus einem Zimmermannsbetrieb, der unweit der Alten Donau Boote und Kleingartensiedlungshäuser baute, aber auch am Wiederaufbau des Stephansdoms nach dem Zweiten Weltkrieg mitwirkte. Das Unternehmen hatte Wälder in der Steiermark samt einem Sägewerk in Weyern und eine betriebseigene Eisenbahn. Im Vorjahr vollzog das Wiener Traditionsunternehmen den wegweisenden Schritt, die Produktion mit jener des Fensterherstellers Weinzetl im südlichen Niederösterreich zusammenzulegen. "Wien bleibt für Hrachowina der Logistik-Hub, auch die Endfertigung wird hier erledigt", sagt Frei.

Mit einem anderen Unternehmen so eng und intensiv gemeinsame Sache zu machen, bringe viele Vorteile, sagt Frei, etwa in puncto Maschinenpark. Damit die Kooperation gut funktioniere, müsse man offen miteinander reden. Etwa darüber, wann und in welchem Ausmaß investiert wird.

Große Teile des Unternehmens zu verlagern, war nicht nur organisatorisch eine Herausforderung, sondern auch kommunikativ. "Bei so einem Schritt ist es entscheidend, gegenüber Mitarbeitern und Kunden das Heft in der Hand zu haben", sagt Frei. Nachdem Medien von der Verlagerung Wind bekommen und darüber berichtet hatten, war es wichtig, die Mitarbeiter zu informieren. Nicht nur über den Zeitplan, sondern auch darüber, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll. Zum Teil seien die Mitarbeiter in den Süden mitgegangen, zum Teil seien auch langjährige Mitarbeiter ausgeschieden. Aber, sagt Frei, "alle sind bis zuletzt geblieben". Für ihn ein Beweis für die große wechselseitige Loyalität.

Und diese habe damit zu tun, dass Familienunternehmen wie Hrachowina diese wechselseitige Verantwortung hochhalten. Aber auch mit dem Führungsstil. Er selbst hält es für essenziell, klare Grenzen zu setzen - Grenzen, die aber nicht mehr so eng sein dürften wie früher. Denn, sagt er, "Mitarbeiter sollen selbst bestimmen". Kontraproduktiv sei, "Mitarbeitern ständig zu sagen, was zu tun ist. Sie sollen sich bestenfalls Sanktus holen, wenn sie sich nicht hundertprozentig sicher sind."

Führung heiße auch, Mitarbeitern nichts zu versprechen, was sich nicht halten lasse, Aufgaben zu definieren und gut einzuschulen. "Wir wollen unsere Mitarbeiter täglich intellektuell und sozial herausfordern", sagt Frei.

Holz verlangt Begabung

Das sind hohe Ansprüche, entsprechend schwer sei es, gute Mitarbeiter zu bekommen. In Wien, sagt Frei, gebe es kaum Tischler - es gebe zu viele Alternativen, viele wechselten in andere Branchen. Dazu komme, dass Holz ein ganz spezieller Werkstoff sei. "Man braucht Begabung, um mit dem Material umgehen zu können."

Und da sei es dann wieder ein Vorteil, sich mit der Personalverrechnung gut auszukennen und den Job für die gesuchten Mitarbeiter auch finanziell attraktiv gestalten zu können. Denn die Tischlertätigkeit selbst, sagt Frei, sei an sich spannend und sinnstiftend: "Man ist nahe am Produkt und spürt die direkte Wirkung."

VON MICHAEL KÖTTRITSCH

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